Dies wird vermutlich der letzte Tag meines Lebens sein und bei allen Göttern, ich weiß nicht, warum mich nun der Drang beschleicht, mein Leben zu erzählen. Der Galgen wartet bereits auf sein Opfer, die Menschenmasse brennt darauf, zu sehen, wie mir das Leben aus den Augen weicht. Angeblich ist dieser Galgen eine Erfindung der Zeit vor dem großen Krieg – sogar lange vor dem großen Krieg sollten Menschen Galgen gebaut haben, so erzählte zumindest meine Urgroßmutter und sie wusste es wiederum von ihrer Großmutter – diese hatte zu den wenigen Menschen gehört, die den Krieg überlebt hatten und sie wusste Bescheid über eine Welt, die man sich in Zeiten wie diesen kaum vorstellen kann. Angeblich soll alles verbaut gewesen sein, Burgen sollten nicht unter der Erde sondern an der Oberfläche gewesen sein und bis in den Himmel geragt haben. Es gab schnelle Fortbewegungsmittel, sogar die Welt konnte man damit verlassen, und es gab schlimme Waffen, die es geschafft hatten, während der Zeit des Krieges einen Großteil der Menschheit zu töten, so erzählt man zumindest. Unzählige Menschen soll es gegeben haben, bevor alles verwüstet wurde.. keine Ruinen, über die Bereits wieder Pflanzen wuchern, keine ganzen Landstriche, die nicht betreten werden konnten, da sie immer noch vergiftet waren.. ich kann mir kaum Waffen vorstellen, die so etwas angerichtet haben könnten und die mit Feuer und nicht mit eigener Kraft geführt worden sind.

Doch ich schweife wohl ab.. in meiner letzten Nacht sollte ich mir lieber Gedanken um andere Dinge machen. 22 Jahre ist es her, dass ich in der unterirdischen Burg in Negoshka geboren wurde, wo meine Mutter Lidija Ivanovna eine einflussreiche Politikerin war. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt, er starb kurz nach einer Expedition zu einer vergifteten Wasserquelle.

Diese Burg war eigentlich gleich wie alle anderen in den Landstrichen, die an der Oberfläche nicht betreten werden können. Es war ein kleines Reich für sich, doch wurde viel korrespondiert zwischen anderen Burgen und somit war das Tunnelsystem zwischen Negoshka und anderen derartigen Ballungsräumen sehr gut ausgebildet. Schon früh in meiner Kindheit nahm meine Mutter mich auf ihre Reisen mit und ich durfte sogar manchmal mit ihr mitgehen, wenn sie an die Oberfläche ging, natürlich nicht in den Gegenden, in denen die Luft und das Wasser vergiftet war. Schon früh lernte ich, mich mit Schwertern zu verteidigen, das war einerseits angesehen und diente andererseits zur Verteidigung gegen all die wilden, riesenhaften Tiere, denen man in der Wildnis ansonsten hilflos ausgeliefert war. Ich war nie besonders gut im Kampf, mein vorwiegendes Interesse galt der Magie.

Ich weiß, Negoshka ist keine schöne Region, um aufzuwachsen, aber bis ich 13 war kannte ich nichts anderes und so wuchs ich doch relativ glücklich auf. Alles änderte sich schlagartig, als meine Mutter und zwei ihrer Verbündeten von politischen Gegnern ermordet wurden und ich mich mit deren Familien auf der Flucht wiederfand. Die Verfolger ließen bald von uns ab, da sie ihr Ziel ohnehin erreicht hatten und so wanderten wir lange Wochen, bis zu einer anderen Burg. Ich dachte, diese Flucht hätte uns zusammengeschweißt und wir würden uns gegenseitig nicht im Stich lassen, jedoch wurde ich bitter enttäuscht, als ich mich völlig alleine in einer fremden Burg wiederfand. Dies war eine andere Welt für mich, ich war fern von meiner gewohnten Umgebung und ich war völlig alleine. Doch meinte es das Schicksal gut mit mir – ich hatte das Glück, auf eine Truppe des fahrenden Volkes zu stoßen. Bisher hatte ich nur von ihnen gehört und wusste, dass sie Geschichten erzählen, Kunststücke vorführen und Musik machen, jedoch hatte ich sie nie selber gesehen, da derlei Gesindel sehr selten in Burgen kam, sondern lieber an der Oberfläche und den Siedlungen an der Oberfläche blieb. Um die lange Geschichte auszusparen – ich schloss mich ihnen an, auch wenn ich vorerst nur für die niederen Arbeiten eingeteilt wurde, da ich noch keine besonderen Fähigkeiten hatte. Doch bald schon lehrte mich Andrej, der alte Barde, die Kunst der Musik und ihrer Manipulationsfähigkeit. Andreij war ein Meister dieser Magie und ich war stolz darauf, bei ihm in die Lehre gehen zu können. Weiters entdeckte ich meine akrobatischen Fähigkeiten und trainierte hart, um so bald als möglich ein fester Bestandteil der Truppe zu sein. In den beiden Akrobaten Natalija und Alexeij fand ich zum ersten Mal in meinem Leben Freunde.

Die Welt erschloss sich mir immer mehr, nach fast 14 Jahren in der Burg fand ich das Leben an der Oberfläche sehr aufregend. Wir waren meistens am Meer unterwegs und reisten dort von Ort zu Ort –dies hatte den einfachen Grund, dass das Land in der Nähe der Küste nicht vergiftet war, nur der Ozean dürfte unter keinen Umständen betreten werden, da sich darin immer noch das Gift des Krieges befand. In dieser Zeit legte ich auch meinen alten Namen ab und war nicht mehr Katjuscha, sondern nannte mich von nun an Solovej, die Nachtigall. Es war eine recht glückliche Zeit bei den Gauklern, zum ersten Mal in meinem Leben lernte ich die Freiheit kennen, immer dorthin gehen zu können, wohin der Wind mich trug. In jeder Stadt waren die Menschen begeistert von unseren Vorführungen, die sie von den Lasten des Alltags ablenken konnten, denn die Zeiten waren nicht leicht, nur knapp 225 Jahre nach dem Krieg, der eine wohl hochentwickelte Zivilisation zerstört hatte.

Mit meinem 16. Lebensjahr kam auch mein großer Fehler: Alexeij und ich hatten uns schon vor einiger Zeit ineinander verliebt und aus jugendlichem Leichtsinn heraus fassten wir einen Entschluss: Wir wollten das fahrende Volk verlassen und unser eigenes Leben führen, sicherlich würde sich eine Gelegenheit bieten, Geld mit unseren Fähigkeiten zu verdienen. Wir irrten uns nicht: In der Stadt Evrosinj bekamen wir ein lukratives Angebot: Politische Spionage. Ich war hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, mein eigenes Leben zu führen und dem Gedanken an meine Mutter, die durch solche Spione an ihre Feinde ausgeliefert wurde. Jedoch wollte ich alles dafür tun, dass Alexeij und ich zusammenbleiben und eine gemeinsame Zukunft haben konnten und so willigte ich ein.

Die Arbeit ging mir erstaunlich leicht von der Hand. Dank der Bardenmagie, die mich mein Lehrmeister gelehrt hatte, war es ein leichtes, besonders die Männer zu umgarnen und ihnen alle Geheimnisse zu entlocken. Möge Andreij nie erfahren, wofür ich seinen Unterricht schlussendlich missbraucht hatte.. ein weiteres Talent kam mir ebenfalls zu gute: das Verkleiden.

Ich erarbeitete mir einen Ruf, bekam immer mehr Aufträge und wurde doch nie enttarnt. Meine Berufung schien gefunden, ich ging meiner Arbeit nach und es machte mir sogar Spaß, Menschen ans Messer zu liefern. So wurde ich auch immer unvorsichtiger. Eines Tages wurde ich nach einer Verfolgung enttarnt und dem Höchstrichter vorgeführt. Ich hoffte inständig, dass Alexeij mich irgendwie befreien würde, doch von ihm fehlte jede Spur, es schien, als wäre er vom Erdboden verschluckt und ich weiß immer noch nicht, ob er mich verraten hat, ob er fliehen musste oder ob er gar schon tot ist..

Nun ist es doch so, dass Spione immer mit dem Tod bestraft werden und mich sollte kein anderes Schicksal treffen. Meine wohl letzte Nacht ist angebrochen und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich den Morgen fürchten oder herbeisehnen sollte. Die Hoffnung auf Rettung sinkt mit jeder Sekunde…



Brief an Solovey

Liebe Solovey,

sie haben mir erlaubt Dir ein letztes Paket vor deiner Hinrichtung zu schicken.
Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie erschüttert wir waren, als die Nachricht Deiner Hinrichtung uns ereilte.
Insbesondere das Tantchen kann nicht mehr vor Trauer. Sie sitzt nur noch auf ihrem Stuhl. Einige von uns meinen sie wird nicht mehr lange unter uns weilen und Dir bald folgen.
Aber Du weißt ja selber wie nahe ihr euch standet und wie wichtig Du ihr immer noch bist. Selbst nach dem Du uns so Klammheimlich verlassen hast.
Seit dem Du weg bist berichtet sie uns von einem schweren Schicksalsschlag der uns alle treffen wird, da wir nicht versuchten Dich an Deinen Plänen zu hindern.
Sie ist der Überzeugung Deine Hinrichtung sei genau dieser Schlag.
Wir sind extra hier her gereist um morgen da zu sein, FÜR DICH!
WIR BETEN JEDE STUNDE!
In der Hoffnung es passiert doch noch ein Wunder und Du musst nicht aufs Schafott gehen. Es wird gemunkelt dass gerade Du einen höchst furchtbaren Tod sterben wirst, der Menge soll nach den abscheulichen Monaten etwas geboten werden. Sie sollen wieder an den Aufstieg glauben, an den Fortschritt.
Doch wir wissen, durch Dein sterben wird nichts besser. Nur ein paar Minuten, vielleicht Stunden, werden die Menschen glauben es habe sich etwas getan. Vielleicht merken sie dann dass Dein Tod umsonst für eine Verbesserung ihrer Verhältnisse war.
Wo war ich stehen geblieben?
Achja Du sollst morgen nicht in diesen bestimmt schäbigen, schmutzigen und verwanzten Kleidern aufs Schafott gehen. Deshalb haben wir uns zusammengetan.
Die Bluse, ist die erste Bluse die Deine Nichte nähte. Sie meint sie wird Dir Glück bringen. Schau nicht auf die Fehler, dafür ist sie mit mehr Liebe und Herzblut genäht als Du Dir jemals vorstellen kannst.
Das Kleid hat das Tantchen für Dich genäht, sie sagt den Gürtel könntest Du auch als Haarband nutzen je nachdem was Du lieber magst.
Der Schmuck kommt von Deinem Bruder, er sagt dieser sei schon immer im Familienbesitz gewesen und soll nun mit Dir für immer unter die Erde gehen.
Das Duftwässerchen soll Deine Schmerzen bei der Hinrichtung lindern, Du wirst das Gefühl haben währenddessen in einer anderen Welt zu sein!
Du musst vorher nur oft genug dran gerochen haben!
Vertrau mir!


Und nun hoffe ich noch dass die Tasche Deiner ehemaligen Tätigkeit als Gauklerin genüge wird und Du in ihr mehr sehen wirst als eine Tasche. Ich weiß die Fantasie lässt einen oft mehr sehen als in Wirklichkeit da ist.
Und manchmal können aus Gedanken und Wünschen auch Wahrheiten werden.
Lass dir das durch den Kopf gehen wenn du die Tasche öffnest! Denn dann entdeckst Du Geheimnisse in ihr, welche nur FÜR DICH bestimmt sind!

Deine Babuschka Brief an Jekaterina

Jekatrina,

woher ich Ihren Namen kenne?
Das spielt Momentan keine Rolle auch nicht wer ich bin.
Ich habe den Auftrag bekommen, Ihnen aus Ihrer misslichen Lage zu helfen so dass sie weiterhin Ihren momentanen Aufträgen weiter folge leisten können und auch in naher wie ferner Zukunft Aufträge annehmen können.
Meinen Auftraggebern ist anscheinend sehr viel an Ihrer Unversehrtheit gelegen. Ich führe nur Aufträge durch, für die ich bezahlt werde. Meine Kunden schätzen meine Diskretheit. Ich für meine Person agiere lieber im Hintergrund und will nicht erkannt werden, selbst meine Auftraggeber wissen nicht wer oder gar was ich bin. Also versuchen Sie nicht mich zu finden oder mir gar danken zu wollen.
Sie werden es nicht schaffen mich zu finden. Und danken brauchen Sie mir auch nicht das Geld ist Dank genug, dass ich durch Ihre Rettung verdiene.
Ich habe über Ihre zweifelhaften Erfolge gehört und ich muss Ihnen einen Rat mitgeben seien Sie vorsichtiger, wenn Sie es geschafft haben hier rauszukommen. Natürlich mit meiner Hilfe.
Und noch ein wohlwollend gemeinter Rat: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.
Sie waren zu leichtsinnig, ich kann Ihnen nur sagen, selbst die Menschen von denen man glaubt Sie würden alles für einen tun, verraten einen doch ab einer bestimmten Summe.
Und rattert es bei Ihnen? Wenn Ihnen nicht schon vorher dieser Verdacht kam, dann sollte Ihnen dieser Hinweis nun doch auf die Sprünge helfen.
Keine Sorge auch für diesen kleinen Parasiten wurde ich beauftragt, er bekam das was alle Verräter von mir bekommen.
Und trauern Sie nicht, er hat es nicht verdient. Kein Verräter verdient so was.
Falls sie sich Fragen wie ich Ihnen helfe?
Der erste Brief ist nur Tarnung falls doch jemand auf die Idee kommt Ihn zu lesen, ach und herzlichen Glückwunsch ganz so dumm, sind Sie Tatsache nicht, sonst hätten Sie diesen Brief wohl kaum gefunden.
OH verzeihen Sie, manchmal spielt mein Zynismus mit mir durch, aber dafür werde ich ja nicht bezahlt. Kommen wir zu den Fakten. Ich kann sie leider nicht in einer Atemberaubenden Aktion befreien. Das wäre zu riskant für uns beide, zumal ich lieber unerkannt agiere, wie ich schon erwähnte oder? Also hier mein Plan: Ziehen sie die Kleidung und den Schmuck an den ich Ihnen gab. Der Schmuck wird Ihre magischen Kräfte stärken. Das Kleid hilft Ihnen, dass sie nicht sofort von den Wachen als Sie erkannt werden. Es hat eine Gewisse Aura die hilft den Blick anderer zu vernebeln für einen gewissen Zeitraum Das Hemd ist ein Hemd der Unschuld, falls sie doch erkannt werden, ja es gibt Menschen die gegen den eben erwähnten Zauber resistent sind. Hemden der Unschuld sind dafür bekannt aus Ihren Träger, egal wie schuldig die betreffende Person ist, für alle Unschuldig aussehen zu lassen. Das bedeutet jeder der Sie sieht wird meinen sie seien Unschuldig und für sie Partei ergreifen. Hemden der Unschuld, sind meist Werke von Mädchen die noch nie in ihrem Leben etwas Böses gemacht haben, sehr oft sind es die ersten selbst genähten Kleidungsstücke. Fragen Sie sich nicht woher ich dieses Hemd habe, es ist schwer sie aufzutreiben, Ich habe jedoch meine Quellen. Und für die Summe die ich alleine schon für den Versuch bekomme sie zu retten ist es mir das Wert. Zu guter Letzt das „Duftwässerchen“ passen sie bloß auf! Das Zeugs ist hoch ätzend, aber damit sollte es für sie ein leichtes sein, die Schlösser etc. der Türen zu öffnen, ein winziger Tropen reicht. Auf Ihrer Haut wird nichts passieren solange sie nur die Hand benutzen um die das Armband ist. Viel Glück