Thea von Wälder ist die einzige Tochter von Landaldeligen. Theas Eltern sind nur durch eine arrangierte Heirat zusammen. Mutter und Vater sind sehr verschieden und Thea bekommt seit ihrer jüngsten Kindheit die Spannungen zwischen ihren Eltern mit. Das ist unter anderem auch der Grund, weshalb sie für sich geschworen hat nicht zu heiraten, und bis jetzt konnte sie ihren Willen diesbezüglich auch gut durchsetzen. Doch mit ihren mittlerweile 22 Jahren merkt sie auch, dass ihre Eltern sie nun gerne verheiratet sehen würden.

Theas Mutter Helene wuchs als verwöhnte Tochter eines reichen Industriellen auf, in der Stadt Berlin mit all den kulturellen Besonderheiten. Als sie mit 17 Jahren den verarmten Landadeligen Baron von Wälder als Mann vorgestellt bekam, dachte sie nicht daran, dass sich durch die Hochzeit ihr Leben schlagartig ändern würde. Das erste was sie sich in ihrer oberflächigen Art dachte, als sie ihn erblickt hatte, war dass ihr wundervolles Tournüren-Kleid genau mit der Farbe seiner Augen übereinstimmte. Dass sie keine weiteren Gemeinsamkeiten feststellen konnte, war ihr in diesem Moment egal. Seit der Hochzeit lebt sie auf einen großen, aber leeren Schloss auf dem Land. Kulturelle Veranstaltungen, ja nicht einmal weitere Adelige und Gleichgesinnte gibt es in der näheren Umgebung. Trotzdem hortet Helene, auch trotz Geldmangel ihres Mannes, immer wieder Unmengen an eleganten Kleidern an, die sie dann doch nie trägt, von denen sie aber fest behauptet, dass der Tag kommen wird, für den nur dieses Kleid geschneidert wurde. Aus Langeweile lässt sie sich schon einmal auf einen Dienstboten ein, während ihr Mann sie eher kalt lässt. Ihre Tochter Thea ist Helene dagegen sehr wichtig, auch wenn sie die Erziehung lieber einer alten Amme überlassen hat, und Thea einige Zeit weggeschickt hat, in ein Mädchenpensionat. Besonders stolz ist Helene darauf, dass Thea am gleichen Tag wie die Kronprinzessin geboren wurde, betont dies gerne und übermäßig oft, in den seltenen Gelegenheiten zu einem Ball oder Diner geladen zu sein, und hat für ihre Tochter ein besseres Leben vorbestimmt. Wie sie das allerdings bewerkstelligen kann, weiß sie leider nicht. Sie weiß nur, es sollte ein berühmter Mann an Theas Seite. Welch Pech, dass die einflussreichsten und reichsten Männer des Landes noch nicht ihre Bekanntschaft gemacht haben...

Theas Vater, Baron Ludwig von Wälder ist, im Gegensatz zu seiner Frau, ein sehr gutmütiger, geduldiger, aber allerdings auch naiver Mann. So hat er sich schon von Manchem um sein Geld betrügen lassen, und es immer erst viel zu spät bemerkt. Dass seine Frau sich des öfteren mit Dienstboten vergnügt, hat er ebenfalls nicht bemerkt. Allerdings interessiert sie ihn auch nicht, weder menschlich noch auf sexueller Ebene. Reden kann er mit ihr nicht, weil sie sich für komplett andere Themen interessiert als er. Auch als Frau interessiert sie ihn nicht, da für den Baron selbst schon vor der Hochzeit klar war, dass er Frauen nicht zugeneigt ist sondern eher Gefallen an einem anderen Mann hätte. Dies weiß Ludwig aber nur für sich, und weiß auch genauso, dass er sich weder jmd. diesbezüglich anvertrauen und noch die Bedürfnisse ausleben wird, da es sich nun einmal nicht schickt und auch bestraft würde. Seine Tochter Thea liebt er jedoch über alles und würde sie nie zu etwas zwingen, was sie nicht möchte. Aus diesem Grund hat er sich auch noch nicht nach einem passendem Bräutigam für sie umgesehen, da er weiß, dass sie es ablehnen würde eine arrangierte Verbindung einzugehen. So versucht er nur geduldig zu warten bis Thea sich selbst einen Mann wählt... Mittlerweile wartet er schon etwa 4 Jahre. Seine Frau allerdings macht ihm immer wieder Druck, mit Thea die Stadt besuchen zu dürfen, um ihr dort auf Veranstaltungen des gehobenem Adels einen Bräutigam zu wählen.

Nachdem Thea im Frühling des Jahres 1908 vermehrt Streitereien ihrer Eltern mitbekommen hatte, welche sich um sie und den nicht vorhanden Bräutigam drehten, hatte sie eine Äußerung besonders getroffen: „Wer wird uns finanziell versorgen, wenn wir alt sind, Thea kann das nicht alleine, wie soll sie denn Geld bekommen? Schon zwangläufig deshalb muss sie heiraten!“ Sie überlegte lange hin und her und beschloss ihren Eltern und auch ihr selbst zu beweisen, dass sie durchaus in der Lange wäre, selbst Geld zu verdienen und sich und ihre Eltern zu versorgen.
So fasste sie einen Plan: Da sie in ihrem Mädchenpensionat ganz gut Französisch, Handarbeiten, sowie sittsames Verhalten gelernt hatte, dachte sie, es
als Gouvernante sicherlich gut versuchen zu können. Ihr war dabei natürlich völlig klar, dass sie es nicht bei den bekanntesten Familien versuchen konnte, aber ein einsamer Gutshof irgendwo im Alpenvorland schien ihr richtig für Bewerbungen, in diese Einöde wolle sicher keine besonders gute Gouvernante hin, und sie hätte Chancen, da man sie dort auch nicht kannte und keinen Zusammenhang zwischen ihr und Charaktereigenschaften ihrer Eltern suchen würde. Also packte Thea eines Nachts ihre wichtigsten Habseligkeiten, sowie ihre Zeugnisse zusammen, lief einige Stunden durch die Dunkelheit zum nächsten Bahnhof und fuhr auf gut Glück davon...


Als sie im Alpenvorland angekommen war, stieg sie irgendwann spontan aus dem Zug und machte sich zu Fuß auf, einen Gutshof zu suchen. Doch so einfach wie sie sich es gedacht hatte war es keineswegs, einige schickten sie gleich weg, noch nicht einmal dass sie ihr Anliegen vortragen konnte, andere lachten über ihre Unerfahrenheit und die vereinzelt Freundlichen hatten keine Töchter für die es nötig gewesen wäre eine Gouvernante einzustellen. Allerdings meinte eine freundliche, betagte und auch seit dem Tod ihres Mann etwas verwirrte Gutsherrin, denn ansonsten hätte sie einem adeligen Mädchen wohl kaum dieses Angebot gemacht: „Wir haben nun leider keine Töchter in dem Alter und unser jüngster Sohn besucht die Schule in der Stadt. Wir suchen allerdings ein neues Küchenmädchen, falls sie diese Aufgabe trotz ihres Standes erfüllen möchten, dann würde ich mich freuen.“ Dankend lehnte Thea ab, zumal sie auch keine Ahnung hatte wie Küchenarbeit von Statten gehen sollte. Doch nach weiteren drei erfolglosen Tagen, als ihr letztes Geld verbraucht war und sie sich ihre Unterkunft nicht länger leisten konnte, entschloss sie sich die Stelle anzunehmen, auch aus Trotz nicht zu ihren Eltern zurückkehren zu wollen.

Sie stellte sich als Küchenmagd vor und wurde sofort für die Stelle besetzt, beim Personal verschwieg sie aber wohlwollend ihre Herkunft. Die Küchenarbeit war hart und sie musste einige Tadel einstecken. Vor allem der junge Stallbursche Max, der eine ziemlich rauhe Art hatte, spottete häufig über ihre Versuche Kartoffeln zu schälen. Als Thea an einem ihrer ersten Abende erschöpft nochmals ums Haus gehen wollte, um durch die frische Luft leichter schlafen zu können, sah sie Max unter einem Baum sitzen Cognac schlürfen und rauchen. Sie war erstaunt darüber einen Stallburschen mit Cognac zu sehen. „Du trinkst Cognac? Wie kommst du denn an so etwas Feines?“ „Aus dem Keller des Gutsherren...“ „Ich denke der Gutsherr ist verstorben und niemand weiß wo der Schlüssel ist? Hast du wohl den Schlüssel?“ „Nein, nein, für dieses Schloss braucht man doch keinen Schlüssel, nur etwas Geschick!“ lachte er. „Wie meinst du das?“ „Ach Küchenmagd, du musst wohl noch viel lernen, zuerst einmal Kartoffeln schälen...“ Er lachte schallend. „Dann solltest du außerdem lernen, was du einem Mann wie mir anbieten kannst, damit ich dir mein Geheimnis erzähle...“ Wütend ging Thea davon, beobachtete ab da aber jeden Abend den Stallburschen, welcher unter dem Baum saß dort rauchte und trank. So schlimm sie es auch fand, musste sie sich nach einigen Wochen eingestehen, dass dieser Max sie irgendwie faszinierte...

Die Arbeit strengte sie sehr an und sie konnte keine Freude daran finden und die Bezahlung war auch kein wirklicher Trost. Als sie sich eines Abends wieder zu Max unter den Baum gesellte, hatte sich schon einige Gedanken gemacht, was sie von ihm wissen wollte und sich daher eine gute „Lüge“ überlegt, um ihm zu imponieren. Sie war sich mittlerweile sicher, dass die Anspielung in jener Nacht bedeutete, dass er das Schloss aufgebrochen hatte. Und in ihren Gedanken malte sie sich aus, dass er nicht nur ein kleines Schloss knacken konnte, sondern eine kriminelle Laufbahn nachweisen konnte und darüber wollte sie unbedingt Bescheid wissen. Sie trug nur einen dünnen Mantel und darunter eines ihrer seidenen Korsetts, welche sie in ihrer Stellung sonst nicht mehr tragen konnte. Sie wusste genau, dass er wahrscheinlich durch ihre weiblichen Reize gelockt werden konnte, und so war es auch. Er erblickt sie und er begann zu sabbern. „Hallo Stallbursche, krieg ich einen Schluck von deinem Wein?“ Er gab ihr bereitwillig während er ihr ausschließlich ins Dekolletee starrte. Sie nutzte es aus, schmeichelte ihm, dass sie dies extra für ihn tragen würde. „Das sieht wirklich wundervoll aus! Ich habe noch nie ein Küchenmädchen in einem solch wunderbaren Korsett gesehen!“ staunte er und fügte aber gleich danach misstrauisch hinzu: „Wie kommst du überhaupt an ein solch feines Korsett, das kannst du zur Arbeit doch sowieso nicht tragen?“ Thea, die auf diese Frage nur gewartet hatte, beugte sich zu ihm, küsste seine Lippen und flüsterte: „Nicht nur du kannst Schlösser aufbrechen!“, lächelte ihn an und ging zurück ins Haus. Max saß mit offenem Mund unterm Baum.

Thea freute sich, dass er ihr so aus der Hand gefressen hatte, und war stolz auf ihre Lüge, die nicht einmal eine richtige Lüge war, weil sie keine Unwahrheit geäußert hatte, sondern nur Worte benutzt hatte, welche beim Nachdenken des anderen eine andere Geschichte ergeben würden. Das hatte sie von ihrer Mutter gelernt, deren Weisheiten sie ansonsten eher weniger schätzte.

Als Thea eines weiteren Abends zu Max unter den Baum kam, setzte sie sich schweigend neben ihn, bat ihn um Wein und Zigarette und lächelte ihn an. Als sie genug Wein getrunken hatten schliefen sie miteinander. Danach erzählte er ihr von seinem Leben. Als Arbeitersohn in Berlin geboren musste er bereits früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, und so versuchte er sich bereits mit 8 Jahren als Taschendieb und das ziemlich erfolgreich. Sein Vater trank, hasste sein Arbeiterleben und versuchte radikale Änderungen zu erzielen. Seine Mutter kümmerte sich um seine 5 jüngeren Geschwister, so war Max bereits früh auf sich allein gestellt und er war sich auch ziemlich sicher, als er mit 13 Jahren von daheim weg lief, dass ihn niemand vermissen würde. Er hielt sich zuerst mit kleineren Einbrüchen in Läden über Wasser und nachdem dies immer gut ging und der Nervenkitzel ausblieb, brach er in Villen reicher Leute ein. Dies tat er ziemlich geschickt, denn er wurde nie erwischt, wenn er Schmuck und Geld entwendete. In der Berliner Unterwelt hatte er sich schnell einen Namen gemacht, und so kam es, dass er manchmal Aufträge bekam irgendwo einzubrechen und etwas bestimmtes zu stehlen. So war es auch vor 4 Jahren als ein reicher Seifenfarbrikant ihn über ein paar Vermittler beauftragte bei einem Konkurrenten wichtige Papiere zu stehlen. Bei diesem Einbruch wurde er gesehen, konnte aber noch rechtzeitig fliehen. Als er jedoch am folgenden Tag in Berlin verteilt Plakate sah, welche ihn suchten und eine Belohnung ausschrieben, wurde es ihm zu heiß und er ging aufs Land. Seitdem besetzt er hier im Allgäu die Stelle des Stallburschens.

Thea war fasziniert und sprachlos zu gleich und als Max sie nach ihren Einbrüchen fragte, kam sie sich so dumm und klein und heuchlerisch vor, dass sie sich nicht traute ihm eine neue Lüge aufzutischen. So meinte sie nur: „Im Gegensatz zu dir bin ich noch klein und unerfahren... Doch ich bin sehr lernwillig...“

In den darauf folgenden Nächten entwickelte sich eine immer größere Leidenschaft zwischen den beiden, sie beschlossen zusammen in eine größere Stadt zu gehen und dort ihre kriminelle Laufbahn wieder aufleben zu lassen. Für Thea war es, als hätte sie wirklich die Liebe gefunden, eine Liebe die sie faszinierte... Aber ob es wirklich Max oder eher sein interessantes Leben war, wusste sie zu diesem Zeitpunkt nicht annähernd... Am Abend des 15.09.1908 stieg Thea zusammen mit Max in Wien aus dem Zug, um dort ein neues Leben zu beginnen...



Fortsetzung:

Man schrieb den 9. November des Jahres 1945 und Franz war ohne Erlaubnis aus der Schule davongelaufen. Er hatte gehört, dass noch österreichische Soldaten in Wien angekommen waren und hoffte so sehr, dass der Vater unter ihnen war und wenn der Lehrer ihm zehnmal Nachsitzen aufbrummen würde, das war ihm recht egal, wenn die Gerüchte nur stimmen mochten. In Wien wurde es langsam kalt, die Strudlhofstiege war schon recht glatt, als er dort hinaufrannte, von der Rossau in die Alservorstadt. Da er nicht darauf achtete segelte er, kaum war er oben angekommen, der Länge nach auf den Boden. Fluchend richtete Franz sich wieder auf und sammelte seine Schiefertafel und die Kreide wieder ein, während ihm das Haus zu seiner Rechten auffiel. Es war noch ganz im Stil der Belle Epoque gebaut und schien den letzten Angriff auf Wien nicht ganz unbeschadet überstanden zu haben. Obwohl Franz es nicht erwarten konnte, nach Hause zu kommen, schob er die kaputte Tür zur Seite und trat ein. Im Inneren des Hauses sah es chaotisch aus, die übriggebliebenen Möbel halb verfallen, Wind und Wetter und der Krieg hatten ihr übriges getan, hier schien schon recht lange keiner mehr gewohnt zu haben. Franz ging ein paar Schritte in den Raum hinein und wollte schon wieder umkehren, als das Parkett unter seinen Füßen plötzlich nachzugeben schien. Hastig sprang er weg von der Stelle und sah, dass eines der Bretter gelockert war. Neugierig wie er nun einmal war hob er das Brett an und sah nach, was darunter wohl verborgen sein mochte. Tatsächlich machte er einen Fund dort – ein halbverbranntes, halbzerfallenes Buch; anscheinend war es einmal ein Tagebuch gewesen und wenn das Datum nicht gelogen war stammte es noch aus der Zeit des alten, fleißigen Kaisers Franz Joseph, von dem die Großmutter von Franz immer so begeistert erzählt hatte. Viele Seiten waren verbrannt oder kaum mehr zu lesen, doch Franz steckte einfach das gesamte Buch in seine lederne Tasche, wischte seine Hose sauber und verließ das halbzerfallene Haus. Draußen sah er sich das Gebäude nochmal an, als plötzlich eine Stimme hinter ihm sagte: „Ein schönes Haus war das einmal, man sieht immer noch, wie prächtig es gewesen ist, nicht wahr?“ Hinter Franz war eine ältere Dame aufgetaucht, einen Einkaufskorb in der Hand. „Ja, wirklich schön“, sagte Franz, „wer hat denn da einmal gewohnt?“ „Ich wohn schon lang hier nebenan, müssen Sie wissen, junger Herr. In dem Haus hat seit 1910 niemand mehr gelebt, nachdem es von der Polizei ganz ausgeräumt worden ist. Davor waren da zwei nette Leute, ein Ehepaar glaube ich. Er war ein wenig von rauher Gemütsart, aber sie war eine ganz reizende Dame, hatte ein Benehmen als wäre sie von Stand gewesen. Gesehen hat man die beiden meistens gemeinsam, manchmal sind sie sogar spätabends noch sparzieren gegangen, oft hab ich sie gar nicht mehr zurückkommen gesehen. Auch wenn sie verschieden waren, verstanden haben sie sich scheinbar gut. Hat aber ein schnelles Ende genommen, diese Idylle. Ich glaube nämlich, dass er ein wenig kriminell war, denn eines Tages ist er nicht mehr heimgekommen, die arme Frau hat ganz verzweifelt ausgesehen, aber schon vorher.. deswegen denk ich, dass sie dahintergekommen ist, dass ihr Mann mit falschen Karten spielt. Dann ist sie einfach von einen Tag auf den anderen auch verschwunden, wollte wohl aus Verzweiflung auf und davon, diese jungen Dinger sind ja so sprunghaft. Kurz danach ist dann auch schon die Polizei gekommen und hat ihre Wohnung verwüstet, wie mans heute noch sehen kann. Seitdem hat keiner mehr hier gewohnt. Manchmal denk ich noch an die junge Dame, hoffentlich geht’s ihr gut da draußen. Aber ich habe Sie zu lange aufgehalten, junger Mann.“, sagte die alte Frau abschließend, nickte Franz zu und ging gemächlich zu ihrem Haus. Franz wurde beim Zuschlagen der Tür aus seinen Gedanken gerissen – er wollte doch wissen, ob der Vater zurückgekehrt sei! Schnell verschloss er seine Tasche und rannte heimzu. Das alte Tagebuch konnte er immer noch lesen, wenn er zu Hause war.

Tagebuch

20.Sep...............................
Nach allem, was passiert ist, entfiel mir beinahe, dass heute doch mein Geburtstag ist. Max weiß noch nichts davon. Nun bin ich also hier, in dieser fremden, großen Stadt und warte auf mein neues Leben. War es richtig gewesen, diesen Schritt zu tun? Es ist zu spät, um die Ereignisse rückgängig zu machen, ich bin nun hier. Wir leben in der Alservorstadt, gleich neben der wunderschönen Strudelhofstiege. Max hat uns die Wohnung über einen Freund besorgt, mehr wollte er nicht sagen.

13.Dezember 1908
Der Winter ist hereingebrochen, wie schön ist die Stadt doch, wenn sie unter einer Schneedecke liegt, leiser davonlaufen kann man noch dazu. Max und ich waren vor kurzen erfolgreich bei einem K und K Hofkommisar zu Hause, seine Frau hatte wirklich ein paar schöne Kleider... dem Geld hat der Ausflug auch gut getan. Max ist so lieb wie eh und je, obwohl ich ihm gestanden habe, nie etwas dergleichen getan zu haben, was bin ich froh. Wir spazieren oft gemeinsam über die schöne Strudelhofstiege zur Porzellangasse, wo eine Straßenbahn fährt. Ich fühle ........ wie zu Hause, neue Pläne gibt.....

11.Februar 190...
Ach, liebes Tagebuch, ich weiß nicht, ob die Entscheidung, ein neues Leben zu führen, so gut war. Ich habe Angst, enttarnt zu werden, ...och bin ich in ..... gefangen. ...nd mache imm........ soll das enden? ....ch habe aber keine an............................., es wird weitergehen, eines Tages werden wir endlich den großen Coup landen. Heute Nacht besuchen wir das Künstlerviertel, es wird hoffentlich ...icht zu unserem Nachteil sein. Aber die Angst will nicht weichen.
3.Juni 1909 Geld! Wir haben genug, um eine Weile davon zu leben. Max hat aber andere Pläne, er gibt sich nicht zufrieden mit unseren kleinen Erfolgen, er will höher hinaus und hat auch schon Kontakte gefunden. Doch diese Aufträge würden wirklich gefährlich werden. Und die Nachbarin hat mich schon gefragt, was wir denn so spät immer noch auf den Beinen seien. Ich weiß nicht, was ich tun soll, meine Vernunft rät mir, mein Glück nicht zu sehr herauszufordern. Doch kann auch ich mich nicht der Faszination entziehen, meine Grenzen zu überschreiten. 1.November 1909 Wie habe ich nur so dumm sein können? Ich muss schleunigst hier weg und das Buch verstecken. Der Beamte ist tot... wir haben ihn umgebracht... Max ist im Gefängnis und die Leute drängen mich dazu ihn zu vergessen, genauso wie den toten Beamten und mich auf den nächsten Auftrag vorzubereiten. Ich will das alles nicht mehr! Keine Toten, das geht mir zu weit. Ich muss sofort von hier verschwind.... ...evor die Polizei hierher kommt.... Ich will Max befreien! Jetzt gleich werde ich ihn suchen ...ehen.